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Heimatgeschichte in Franken erkundet PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Preikschas, Jörg   
Dienstag, 20. Mai 2008

heimatgeschichteWeferlinger waren am Sonntag dabei, als auf der Plassenburg in Kulmbach die Sonderausstellung "Die Culmbach-Weferlinger Hohenzollern und der Bayreuther Markgrafen-Thron“ eröffnet wurde. Die Mitglieder des Bürgervereins Fachwerk erfuhren so, das Weferlingen in Franken ein Begriff ist.

"Warum sind die Weferlinger so wichtig, dass wir ihnen eine Ausstellung widmen?" fragte Prof. Franz Meußdoerffer, Vorsitzender des Vereins Freunde der Plassenburg, und verwies auf das Wilhelminen-Jahr in Bayreuth. "Wilhelmine von Bayreuth, Europas letzte Prinzessin" starb vor 250 Jahren, im nächsten Jahr jährt sich ihr Geburtstag zum 300. Mal.

Ohne die Markgrafen wäre Wilhelmine von Preußen nicht nach Bayreuth gekommen, versicherten der Redner: "Wir wollten zeigen, dass alles Gute ursprünglich aus Kulmbach kommt." Herzlich begrüßte er die Abordnung aus Weferlingen, "Nachfahren der Bewohner des Fleckens in Sachsen- Anhalt, die schon vor 300 Jahren so stark waren, dass sie den Markgrafen Christian Heinrich aus Kulmbach und seine 14 Kinder durchfüttern konnten."

Der Hohenzollernprinz Christian Heinrich hatte in einem Vertrag mit dem Preußenkönig Friedrich I. für sich und seine Nachkommen zugunsten Preußens auf die Erbansprüche in Franken verzichtet. Dafür erhielt er das Amt Weferlingen und eine jährliche Zuwendung, um seine Familie durchbringen zu können. Christian Heinrich starb jedoch nach knapp zwei Jahren in Weferlingen, kurz bevor der jüngste Sohn Friedrich Christian am 17. Juli 1708 zur Welt kam. Eben diesem Friedrich Christian von Kulmbach- Bayreuth will der Bürgerverein Fachwerk gemeinsam mit anderen Weferlinger Vereinen und Einrichtungen am 6. Juli ein Fest zum 300. Geburtstag widmen, denn er hatte die segensreiche Kulmbach-Bayreuthsche Stiftung begründet.

43 Jahre herrschten die Weferlinger in Bayreuth

In Weferlingen trat Georg Friedrich Karl, der älteste Sohn von Christian Heinrich, die Nachfolge an und kündigte schließlich den Verzicht auf das abgetretene Erbrecht. 1726 übernahm er als erster Vertreter der so genannten Weferlinger Linie in Bayreuth die Regierung. Nach seinem Tod ging das Fürstentum Bayreuth 1735 an seinen ältesten Sohn Friedrich über, der 1731 die Lieblingsschwester von Friedrich II. geheiratet hatte und somit Wilhelmine von Preußen nach Bayreuth brachte.

1763, nach dem Tod von Friedrich, musste sein Onkel, der 1708 in Weferlingen geborene Friedrich Christian, die Regierung übernehmen. Er blieb jedoch nur sechs Jahre im Amt. Mit seinem Tod endete die Bayreuther Linie der Markgrafen.

Gerald Wolters, der Vorsitzende des Bürgervereins Fachwerk Weferlingen, bedankte sich in Ausstellung für die freundliche Aufnahme. Er freue sich zu sehen, wie eng die Verbindungen zwischen Weferlingen und Kulmbach sind, erklärte er.

Darüber gab es bei einer Führung auf der Plassenburg mit dem Kastellan Harald Stark noch mehr zu erfahren. Die Weferlinger erkundeten sogar einen Geheimgang der Burg, auf der Friedrich Christian einige Jahre arrestiert war, weil er aus Eifersucht einen Bediensteten erschlagen hatte.

Von der Plassenburg aus fuhren die Weferlinger nach Himmelkron, wo sie bereits von Helmuth Meißner erwartet wurden. Der Lehrer im Ruhestand hat sich intensiv mit der Geschichte der Markgrafen beschäftigt. Davon ist auch in der Broschüre zu lesen, die Eberhard Pasch zum 300. Geburtstag des Markgrafen Friedrich Christian von Kulmbach Bayreuth erarbeitet hat.

Helmuth Meißner führte die Gäste durch die Stiftskirche Himmelkron und zeigte dabei die Särge von Hohenzollern der Weferlinger Linie. Christian Heinrich, der ursprünglich in Halberstadt beigesetzt wurde, wurde später nach Himmelkron überführt. In weiteren Särgen ruhen Georg Friedrich Karl, sein Bruder Albrecht Wolfgang, der 1734 in der Schlacht von Parma fi el, und der jüngste Bruder Friedrich Christian, der letzte Markgraf, der eigentlich in seinem Mausoleum in Weferlingen begraben werden wollte. Ganz sicher wird es einen Gegenbesuch der Franken in Weferlingen geben.

Foto: Helmuth Meißner (l.) zeigt Gerald und Roswitha Wolters das fast vier
Meter hohe Kreuz, das bei der Beisetzung der Markgrafen vorangetragen
wurde. Rechts im Bild Kastellan Harald Stark.

Quelle: Volksstimme v. 20. Mai 2008