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70-Jähriger verdankt Jürgen sein Leben PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Preikschas, Jörg   
Montag, 27. Oktober 2008

vs_haldensleben_20081022Seit sechs Jahren trainieren die Brüder Jürgen und Eugen Teier in der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Helmstedt. Menschen aus dem Wasser zu retten, sie an Land zu bringen und wiederzubeleben wird geprobt. Einmal in der Woche fahren die beiden Jungen dafür von Weferlingen nach Helmstedt, die Eltern, die beide in medizinischen Einrichtungen im Schichtdienst arbeiten, bringen die Söhne zum Training.

Jürgen ist 17 und besucht die 10. Klasse des Freiherr- vom-Stein-Gymnasiums, Eugen ist 14 und geht in die 7. Klasse des Gymnasiums. Dass er dieses Training einmal im Ernstfall brauchen würde, damit hätte Jürgen so schnell nicht gerechnet.

 

Bei einem Einkauf in Helmstedt sah er, dass ein älterer Mann auf der Straße lag. Der 17-Jährige eilte sofort zu ihm, sah, dass niemand etwas unternahm. Der Mann atmete nicht mehr, er sah etwas bläulich aus, sein Puls war nicht zu fühlen. Seine Frau stand einfach nur neben ihm, hielt seine Hand und konnte nichts tun, sie schien geschockt.

 

Jürgen handelte ganz automatisch. Er begann sofort mit der Herzmassage und Mundzu- Mund-Beatmung, eine Maske dafür hatte er nicht. Und er bat die Umstehenden, den Rettungsdienst zu verständigen. Die jungen Leute, die zusahen, hatten zwar Handys, kannten aber die Notruf-Nummer nicht. „Ich war wie im Nebel“, erinnert sich der Gymnasiast. Er hat einfach nur gehandelt. „Der Mann hat ein paar Mal versucht zu atmen, konnte aber nur röcheln.“ Etwa vier bis fünf Minuten hat Jürgen ohne Unterbrechung Wiederbelebungsmaßnahmen ausgeführt, so schätzt er, dann sei der Rettungsdienst da gewesen. Die Männer haben sofort Elektroschock eingesetzt. Nach geraumer Zeit hatten sie zumindest den kleinen Kreislauf stabilisiert, das heißt Herz, Lunge und Gehirn, so dass sie den Mann ins Krankenhaus bringen konnten. Jürgen hatte den Männern vom Rettungsdienst erzählt, dass er seine Ausbildung in der DLRG erhalten hat. „Der Mann hat ein paar Mal versucht zu atmen“ Wenige Tage später berichtete er beim nächsten Trainingstag von diesem Vorfall, er wollte gern wissen, ob der Mann am Leben geblieben war. Der technische Ausbilder versprach ihm, nachzufragen. Groß war die Freude, als die Nachricht kam, dass der 70-Jährige gerettet werden konnte.

 

Ohne den beherzten Einsatz des jungen Weferlingers allerdings hätte er nicht überlebt. Nach einigen Tagen bekam Jürgen dann Post von der Tochter des Mannes aus Königslutter mit einem herzlichen Dankeschön für seinen Einsatz. Die Familie des Mannes hatte offensichtlich in der DLRG in Helmstedt nach Jürgen gefragt. Am Montagabend sagte ihm der Weferlinger Gemeinderat Dankeschön für seinen Einsatz. Seit 1994 wohnt Familie Teier in Weferlingen. Als Jürgen mit seinen Eltern und Großeltern aus Moldawien nach Deutschland kam, war er zweieinhalb. Mit sechs Jahren konnte er schwimmen, hatte bereits die Prüfung abgelegt. Anfangs nahmen ihn Knuts, die Nachbarn, mit ins Schwimmbad, da hatten seine Eltern noch kein Auto. Zur DLRG sind Jürgen und sein Bruder übrigens durch Zufall gekommen. An einem Nachmittag in den Ferien trainierte die DLRG im Schwimmbad in Helmstedt, als die Jungen mit ihren Eltern dort waren. Da war Jürgen 11 und Eugen 8. Die Jungen sahen zu, sie fanden es interessant und sind seitdem dabei.

 

An vielen Wettkämpfen haben die Gymnasiasten inzwischen teilgenommen. In ein paar Jahren wird vielleicht auch noch ihre Schwester Julia, die gerade vier geworden ist, ihren Brüdern nacheifern. Sie will auch schwimmen lernen. Julia ist jedenfalls stolz auf ihre großen Brüder. Für Jürgen steht bereits fest, dass er einen medizinischen Beruf ergreifen wird genau wie seine Eltern.

 

Quelle: Volksstimme