Der
Einsatzbefehl geht kurz nach sechs Uhr am Sonnabend an die ersten
Rettungskräfte im Landkreis, berichtet Kreisbrandmeister Horst Nitzer
als Einsatzleiter. Die technische Einsatzleitung hat im
Verwaltungsgebäude der Quarzwerke ihr Quartier aufgeschlagen. Den
vor Ort eintreffenden Einsatzkräften bietet sich ein Bild der
Verwüstung: Viele Anlagen gingen zu Bruch, das Betriebsgelände gleicht
einem Trümmerfeld, viele Verletzte warten auf Hilfe, einige haben den
heftigen Orkan nicht überlebt.
Das
Szenario ist zwar dieses Mal für eine große Katastrophenschutzübung nur
gestellt, aber eine durchaus mögliche Situation nach einem
Wetterunbilden. Zum ersten Mal üben Einsatzkräfte aus dem ganzen
Landkreis Börde gemeinsam den Ernstfall. Die Quarzwerke Weferlingen
bieten ideale Voraussetzungen dafür.
Rund 400 Einsatzkräfte sind mit
Menschenrettung, Brandbekämpfung, dem Austritt radioaktiven Stoffes und
Aufräumarbeiten stundenlang beschäftigt. Die
ersten Einsätze gelten natürlich den Verletzten. Auf einem
Schwimmbagger sind vier Personen eingeschlossen, die mit Booten
gerettet werden müssen. Völlig überrascht von dem Mini-Orkan ist auch
in
35 Metern Höhe ein Handwerker verletzt worden. Zu
den Feuerwehrleuten kommen Katastrophenschutzzüge des Landkreises, das
Technische Hilfswerk (THW) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK), dass sich
um die Verletzten kümmern.Alle
anstehenden Aufgaben werden in der technischen Einsatzzentrale
koordiniert. Bereits seit 20 Uhr am Vorabend laufen die Vorbereitungen
zur Einrichtung der Zentrale vor Ort.
Auf den kleinen
Computerbildschirmen kann das Team den Fortgang der Rettungsaktion
beobachten und die nächsten Aufgaben verteilen. Eine
logistische Meisterleistung auf dem riesigen Betriebsareal, das zu
großen Teilen aus unbefestigten Straßen aus Sand besteht. Schwierig zu
befahren für die Rettungsfahrzeuge. Bei den in den Übungen integrierten
Geländefahrten muss nicht nur einmal der Radladerfahrer der Quarzwerke
Fahrzeuge, die sich festgefahren haben, aus dem Sand ziehen.
Helmut
Böker, Brandschutz- und Sicherheitsbeauftragter der Quarzwerke, hat es
da einfacher. Mit seinem Geländewagen meistert er jede schwierige
Straßensituation, bleibt selbst im tiefen Wasser und schlickernden Sand
nicht stecken. "Wir pflegen gute Kontakte zu den Rettungskräften vor
Ort", sagt Helmut Böker. "Nun kommen die kreislichen dazu", ergänzt
Horst Nitzer und lobt das Engagement des Brandschutzbeauftragten der
Firma. "Unsere
technische Einsatzleitung ist erstmals so vollständig vernetzt mit
Computern. Die Technik funktioniert klasse", freut sich Matthias
Schumann, der die technische Einsatzleitung innehat.
Bis
in die Mittagsstunden sind die Brände gelöscht, viele Bäume und Äste
von den Wegen beräumt, und auch das chemische Einsatzteam hat die Lage
in der Werkhalle im Griff. Die Rettungskräfte gönnen sich eine Pause,
werden mit warmer Mahlzeit und Getränken versorgt. Das benachbarte
Mapei-Unternehmen hat sein Gelänge als Bereitstellungspunkt zur
Verfügung gestellt. Die
Einsatzleitung ist nach einem ersten Resümee zufrieden mit dem Verlauf
der Großübung. „Die Auswertung wird schon einige Tag in Anspruch
nehmen", bittet der Kreisbrandmeister angesichts der Größenordnung um
Geduld. Doch er sei zufrieden mit dem Verlauf. So bestätigt es auch
kurze Zeit später Hans-Joachim Reulecke, der Leiter des Amtes für
Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen des Landkreises Börde.
Quelle: Volksstimme
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