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Amateurfilmer Riecke und Gebhard drehten Vier-Minuten-Film über die Wendezeit PDF Drucken E-Mail
riecke__gebhard.jpgAmateurfilmer sind Karl-Heinz Gebhard und Karl-Otto Riecke seit Ende der 1950er Jahre. Dass aber mal ein Film von ihnen bei einem Amateurfilmwettbewerb in Schweden und im französischen Fernsehen laufen würde, dass arte, RBB, MDR, ZDF und sogar amerikanische Sender Interesse bekunden würden, Sequenzen aus einem ihrer Filme zu verwenden, damit hätten die beiden Weferlinger nicht gerechnet. Dabei geht es um einen Vier-Minuten-Film über die Wendezeit. Aber der Reihe nach. 

 

Es ist ein halbes Jahrhundert her, dass der Elektriker Karl-Heinz Gebhard und der Schmiedemeister Karl-Otto Riecke das Filmstudio Weferlingen gründeten. 35 Filme sind im Laufe der Jahre bis 1989 entstanden. 16-Millimeter-Filme, die mit großem Engagement und Aufwand gedreht wurden. Themen wählten die Männer selbst wie beispielsweise beim Film über die alte Schmiede von Karl-Otto Riecke oder über das schöne Allertal.

Aber sie drehten auch Filme im Auftrag vom FDGB wie über den Forstbetrieb Flechtingen. Ein Jahr lang filmten sie Mitte der 1980er Jahre die Arbeiten der Forstleute und stellten daraus einen Film zusammen. Und so drehten sie auch einen Film über das Sand- und Tonwerk im Nachbarort, über „Das weiße Gold aus Walbeck", und über die frühere Zuckerfabrik in Weferlingen „Minus 18 Grad". Ihre Freizeitbeschäftigung wurde sogar in einer Doktorarbeit über Filmer in der DDR untersucht.

 

Das Filmstudio gehörte damals zur Abteilung Amateurfilm des Bezirkskabinetts für Kulturarbeit, erinnert sich Karl-Otto Riecke. Es ist sogar mal als hervorragendes Volkskunstkollektiv ausgezeichnet worden, damit war eine nicht unerhebliche Prämie verbunden, die die beiden Hobbyfilmer gut brauchen konnten. Projektoren hatten sie übrigens von der polytechnischen Oberschule gekauft, die Geräte sollten verschrottet werden. Die Männer machten sich die Geräte wieder einsatzbereit. Sie kamen mit ihrer einfachen Technik zurecht, ein kleines Reportergerät hatten sie sich aus Polen besorgt. Mit dieser Technik drehten sie auch die Ereignisse im Jahr 1989.

 

Stasi beschlagnahmte den ersten Film

Karl-Heinz Gebhard war als Elektriker bei den Grenztruppen angestellt. Der Schmiede- und Klempnermeister Karl-Otto Riecke arbeitete für die Grenztruppen. So war es für die beiden zunächst gar nicht so schwer, im Sommer 1989 die Grenzanlagen zwischen Weferlingen und dem niedersächsischen Grasleben zu filmen, die Zäune, Stolperdrähte, Sperren. Allerdings beschlagnahmte die Staatssicherheit diesen zwischen den Zäunen entstandenen Film. Doch der Regimentskommandeur habe sie ermutigt, den Film ein zweites Mal zu drehen, sagt Karl-Heinz Gebhard. „Auch diesmal war die Grenze noch nicht geöffnet, aber wir konnten sie unter Kontrolle der Grenzer passieren", hat der 84-Jährige zu diesem Film aufgeschrieben.

 

Nachgelesen werden kann das in einem Begleitbuch zu der Ausstellung „Wir waren so frei...", die noch bis zum 9. November in der Deutschen Kinemathek, im Museum für Film und Fernsehen, in Berlin zu sehen ist. Der 1989 entstandene Film „Endlich" gehört zu der Ausstellung mit Momentaufnahmen 1989/1990. In dem Vier-Minuten-Film sind auch Aufnahmen vom Fall eines Grenzturms und Szenen nach der Öffnung der Grenze zwischen Weferlingen und Grasleben am 18. November 1989 zu sehen.

 

Inzwischen gibt es Nachfragen von arte, ZDF, RBB, MDR und amerikanischen Sendern, Szenen aus dem Film verwenden zu können, sagen die Männer. Dieser Film ist nicht der einzige, den die Amateurfilmer für diese Ausstellung eingereicht hatten. Das Filmmuseum hatte sich an die Weferlinger wie an viele andere Filmer gewandt und nach Kurzfilmen aus der Wendezeit gefragt. Da es hierbei auch um Filme ging, die kurz vor der Wende entstanden waren, schickten die Weferlinger ebenso den im Frühjahr fertiggestellten Film „Freizeit auf dem Lande" ins Filmmuseum. Beide Streifen werden im Buch zur Ausstellung gewürdigt.

 

Filmrestauratorin kümmert sich

Besonders herausgestellt wird jedoch der Streifen „Endlich": „Der fertig geschnittene, mit einem Auszug aus der 3. Sinfonie von Johannes Brahms und aus Ludwig von Beethovens "Ode an die Freude" unterlegte 16-mm-Film zählt zweifellos zu den am schönsten gestalteten Beiträgen des Projekts ;Wir waren so frei...'" Der Filmstreifen „Endlich" stand übrigens auch kurz nach der Fertigstellung bereits im Blickpunkt der Öffentlichkeit.

 

Beim 21. und letzten Amateurfilmwettbewerb der DDR im Frühjahr 1990 in Cottbus kam der Film der Weferlinger auf den dritten Platz. Vom Festival aus wurde er nach Schweden zu einem anderen Amateurfilmwettbewerb geschickt, und von dort nach Frankreich, wo der Film sogar im Fernsehen lief. „Er ist ziemlich zerfleddert zurückgekommen", meint Karl-Otto Riecke. Eine Filmrestauratorin kümmere sich deshalb in Berlin um den 16-mm-Film.

 

Der 78-Jährige kann zu Hause inzwischen eine DVD mit dem Film in den DVD-Player schieben. Das Filmen haben die Männer übrigens bis heute nicht aufgegeben. Inzwischen drehen sie jedoch mit der Videokamera. 16 Millimeter, das wäre heute zu teuer.

 

Foto: Marita Bullmann