„Ich bin überrascht, dass
so viele Bürger den Weg hierher gefunden haben. Ich begrüße sie recht herzlich
zur ökumenischen Dankandacht. Am 9. November 1989 fiel die Mauer in Berlin.
Neun Tage später, am 18. November 1989 morgens um sechs Uhr, also vor ganz
genau 20 Jahren wurde der Grenzzaun auch hier zwischen Grasleben und
Weferlingen geöffnet. Wir sind zusammengekommen an diese Stunde der Freiheit zu
denken und für sie zu danken", begrüßte
der Grasleber Pfarrer Paul-Arthur Hennecke die knapp 200 Bürger, die zum Teil
mit Fackeln und Kerzen erschienen waren.
Gemeinsam mit seinen Amtskollegen
Pastorin Marie-Charlotte Schorr i.R. Pastor Jürgen Beuchel, Pastor Michael
Sternal sowie der Weferlingerin Rosemarie Bergk gestaltete er eine emotionale Gedenkfeier,
die an das Leid vor der Öffnung und an den Tag der Grenzöffnung erinnerte.
"Ich
hätte nie gedacht, dass die Menschen im Osten den Mut aufbringen würden für
Freiheit und Demokratie auf die Straße zu gehen und ihr Leben zu riskieren. Ich
empfand tiefen Respekt für die Menschen und bangte um sie und ihre Familien",
erklärte Pastor Jürgen Beuchel zum Thema „Ich hätte nicht gedacht ... ein Blick
aus dem Westen". „Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages
frei meine Meinung äußern könnte, ohne Konsequenzen für mich und meine Familie
befürchten zu müssen. Zu begreifen ist das Wunder nicht. Wir können nur dankbar
sein, dass wir mit diesem Geschenk leben dürfen", meinte Rosemarie Bergk für den Osten an die
Gäste gewandt.
Mit Gebeten, Lesungen und gemeinsam gesungenen Liedern wurde die Andacht zu einem wohl
unvergessenen Treffen der beiden Nachbargemeinden, zu dem sich auch der
damalige Samtgemeindedirektor Gerd Stötzel gesellt hatte. „Wir sind dankbar für
das Wunder von damals, für die Menschen, die sich für die friedliche Revolution
eingesetzt haben, die ihr Leben für dieses Wunder aufs Spiel gesetzt haben,
Lasst uns Kerzen anzünden." Und so zündete Marie-Charlotte Schorr unter anderem
eine Kerze „zum Dank für die Freiheit, die sich damals ausbreitete wie ein
Lichtermeer", „für die, die das auf den Weg gebracht haben", „zum Gedenken an
die, die im Kampf für die Freiheit ihr Leben lassen mussten", „für die
Familien, die in den Zeiten der Unfreiheit auseinandergerissen wurden", „für
sie, die ihre schlimmen Erinnerungen nicht loswerden können" und „ für die, die
in ihren Kindern unsere Geschichte lebendig halten" eine Kerze an.
Vor zwanzig
Jahren war eine Absicherung der Veranstaltung nicht nötig gewesen. Da sich aber
nach den zwanzig Jahren ein reger Straßenverkehr entwickelt hat, wurde die
Dankandacht gemeinsam von den Kameraden der Feuerwehren Grasleben und
Weferlingen sowie durch die Polizeistation von Weferlingen abgesichert.
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