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Kirschenmarkt eine Woche nach dem Kinderfest PDF Drucken E-Mail

Auf Initiative der Arbeitsgruppe Fachwerkstraße in Weferlingen soll in diesem Jahr der 300. Geburtstag der Markgrafen Friedrich Christian von Kulmbach-Bayreuth mit einem Fest am 6. Juli begangen werden. Dabei soll an die Traditionen des früheren Kinderfestes und des Kirschenmarktes angeknüpft werden. In den Lebenserinnerungen von Walter Grupe aus Weferlingen, die sein Sohn Werner Grupe zusammengefasst hat, ist auch von diesen Höhepunkten zu lesen:

Aufgabe für die Kulmbach- Bayreuthsche Stiftung im Sinne Friedrich Christians war es auch, sich des Schulwesens und der Kinder Weferlingens anzunehmen. Es war zur Tradition geworden, jedes Jahr am Geburtstag des Stifters, am 17. Juli, aus Geldern der Stiftung ein Kinderfest auszugestalten.

... Den Auftakt zum Fest bildete am Abend zuvor ein Umzug durch den Ort mit Fackeln und Lampions. Am Festtagsmorgen leitete ein Wecken mit dem Trommler- und Pfeifer- Korps das große Ereignis ein. Nach dem Mittagessen fand der große Festumzug statt. Ausgangspunkt war der Platz am Rathaus vor der Volksschule. Festlich gekleidet traten die Schulkinder klassenweise an. Alte Schulfahnen und Wimpel wurden mitgeführt. Die Mädel hatten Blumenkränzchen im Haar und Blumenreifen in den Händen. Die Jungen waren mit blumengeschmückten Pusterohren ausgerüstet, die Tischlermeister Artur Hempel in der Sophienstraße bestens herzustellen verstand. Die Gruppe der Ältesten trug Luftgewehre. Unter den Klängen von Marschmusik der ortsansässigen Kapelle – aber auch Kinderkapellen bewiesen ihr Können – bewegte sich der Zug durch den Ort, über den Gutshof, an den Ruinen des alten Schlossgebäudes vorbei zum Festplatz im Riesen. Dort waren unter den bohen Buchen Tische und Bänke aufgestellt. Die Kinder wurden mit Getränken und Kuchen bewirtet und mit kleinen Gebrauchsgegenständen für den Schulbetrieb oder zu ihrem Vergnügen beschenkt. In späteren Jahren, als das Waldhaus Riesen errichtet war, waren die Kaffeetafeln auch im Garten des Restaurants gedeckt. Der ganze Ort war auf den Beinen und voll Erwartung der kommenden Ereignisse.

Die Büste des Markgrafen vor dem Mausoleum an der Weferlinger Kirche Nach dem großen Kaffeeschmaus veranstalteten die einzelnen Klassen ihrem Alter entsprechende Spiele. Mädchen führten schöne Reigen auf, die Jungen hatten ihren Spaß beim Sackhüpfen, Wurstklettern und beim Keulenzielwurf nach dem Holzadler. Die älteren Klassen ermittelten ihre Könige und Königinnen, die Jungen beim Luftgewehrschießen oder Schießen mit Pusterohr und Flittchen, die Mädchen beim Kegeln und Schießen mit dem Entenholzkörper. Diese Enten aus Holz gefertigt, hatten einen spitzen Eisenschnabel, hingen an einer Flugleine, die mit dem anderen Ende an einem kleinen Mast befestigt war. Mit solcher Ente zielten die Teilnehmer auf eine Scheibe. Die Sieger der Wettbewerbe wurden zu Majestäten erklärt, erhielten Preise und wurden mit Schärpen geschmückt. Am Abend formierte sich der Festzug zum Rückmarsch in den Ort, wo er am Kirchplatz vor dem Denkmal des Markgrafen endete, das als Erinnerung und aus Dankbarkeit festlich geschmückt worden war.

...In der Woche nach dem Kinderfest war dann der große Kirschenmarkt. Im Volksmund wurde er auch 17. Markt genannt. Aber seinen Namen hatte er wohl erhalten, weil er in die Zeit der Kirschenernte fiel. Kirschen wurden auch in großen Mengen angeboten. In der Hauptsache war es jedoch ein Kram- und Viehmarkt. Auf dem Marktplatz, in alten Zeiten Schüttgraben genannt, wechselten im Handel Rinder, Schafe und Schweine (Ferkel) den Besitzer. Die Bäckerstraße war den Ständen des ambulanten Gewerbes vorbehalten, und diese boten in mannigfacher Weise die unglaublichsten Dinge an. Für das leibliche Wohl der Besucher, vor allem der Kinder, wurde bestens gesorgt. Am Ende der Bäckerstraße, gegenüber dem „Schwarzen Adler“, war die Pottmarkt-Ecke. Hier stand auf ebener Erde alles Mögliche an Geschirr zum Verkauf. In der Hauptsache war es aber das braune, irdene Geschirr und Steingut, das von kleinen Betrieben aus Sommerschenburg kam. Auf den Sälen des „Schwarzen Adlers“ und des Gasthauses „Markgraf von Bayreuth“ war Tanz.

Der Markt war Treffpunkt auch der ländlichen Bevölkerung der Umgebung, im Scherz wurde dieses Ereignis Heiratsmarkt genannt. Marktgeschehen mit dem üblichen Rummel gab es noch mehrere, der Weihnachtsmarkt hob sich daraus hervor.

 

Quelle: Volksstimme vom 01.April 2008